Geht es bei Tantra Yoga um Sex? Oder um sexuelle Praktiken?
MYTHEN ÜBER TANTRISCHES YOGA AUFGEKLÄRT
Ich halte es gerne einfach: Die Antwort ist nein! Machen wir das klar. Es gibt einige alte Schriften, die unter anderem sexuelle Praktiken lehren, und manchmal werden diese mit den tantrischen Schriften zusammengefasst. Vermutlich, weil sie denselben Namen tragen. Inhaltlich haben die Yoga-Lehren wenig mit Sex zu tun. Wenn man sich jedoch die subtilen Energien im Körper genauer anschaut – und das geschieht bei ernsthafter Yoga-Praxis fast unvermeidlich –, stellt man fest, dass sexuelle Energie wahrgenommen und, wenn gewünscht, auch gesteuert und für bestimmte Dinge genutzt werden kann (etwa bewusste Ekstase). Die Ziele des Yoga, wie spirituelle Befreiung, haben meines Erachtens eher wenig mit sexuellen Praktiken zu tun. Das heißt nicht, dass wir als Yogis keinen Sex und keine Ekstase leben dürfen. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir das tun. Stichwort Verlangen. Dennoch sei gesagt: In tantrischen Schriften gibt es Hinweise darauf, sexuelle Energie zur Aktivierung der Kundalini zu nutzen. Konkrete Anweisungen werden nicht gegeben.
Nochmals: nein. Das Buch Kāma-sūtra kann als Wissenschaft der Lust betrachtet werden. Diese Schrift – vielleicht wegen der ähnlichen Bezeichnung zu den Yoga-Sutras – könnte als Yoga missverstanden werden. Das Kāma-sūtra ist jedoch kein Yoga und hat damit nichts zu tun! In den Originaltexten zeigt sich, dass sie tatsächlich nicht mit Yoga verwandt sind. Ob wir heute solche Praktiken in das Yoga-System aufnehmen, wie es manche Lehrer tun, steht uns natürlich frei – im Sinne der Yoga-Tradition ist es jedoch nicht so.
Noch ein Punkt: Macht Yoga den Sex besser? Darauf gibt es keine allgemeine Antwort – aber wenn ich eine Aussage treffen müsste, würde ich ja sagen: Die Chance auf besseren Sex ist wahrscheinlich. Das hat aber vermutlich weniger mit den spezifischen Yoga-Praktiken zu tun und mehr mit den Wirkungen der Praxis. Yoga steigert die Körperwahrnehmung, verbessert die Atmung und erhöht die Sensibilität für subtile Energien. Neben den gesundheitlichen Vorteilen geht ein Yogi bewusster und achtsamer durchs Leben – all das wirkt sich natürlich auch auf das Sexualleben aus. Persönlich bemerke ich eine große Veränderung. Aber das ist eher ein „Nebeneffekt“ als das Ziel des Yoga.
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